Anmerkung: „Marlow“ ist der siebte Roman aus der Gereon Rath-Reihe von Volker Kutscher. Auch wenn die einzelnen Fälle in sich abgeschlossen sind, ist es empfehlenswert, die Serie von Anfang an zu lesen, da es wiederkehrende Figuren in den Büchern gibt und auch Begebenheiten aus früheren Fälle erwähnt werden.

Inhaltsangabe von Volker Kutschers „Marlow“:

Ein recht spektakulärer Unfall ruft Gereon Rath wieder auf den Plan. Ein Mann namens Gerhard Brunner kommt ums Leben, als das Taxi, in dem er sitzt, gegen eine Mauer fährt. Bei der Untersuchung des Tatortes findet Gereon Rath einen Umschlag, dessen Inhalt sich als wahres Pulverfass entpuppt. Kein Geringerer als Hermann Göring wird in diesen Unterlagen erwähnt. Rath beginnt der Sache nachzugehen. Sehr schnell findet er heraus, dass der Taxifahrer an einem unheilbaren Tumor litt. Doch damit nicht genug. Die gefundenen Schriftstücke führen zu einem Fall, der Rath, oder besser gesagt seine Frau Charly, persönlich betrifft. Mit seinen Nachforschungen bringt er daher nicht nur sich, sondern auch seine Familie in akute Gefahr …

Kritik zu „Marlow“ von Volker Kutscher:

Marlow von Volker KutscherVolker Kutscher nimmt den Leser in diesem siebten Band seiner Romanserie um Gereon Rath mit ins Jahr 1935. Die Nazis sitzen fest im Sattel. Einer von ihnen ist Johan Marlow, der Unterweltboss, der nun auch als SS-Gruppenführer Karriere gemacht hat und der ein ums andere Mal mit Gereon Rath Kontakt hatte. Bedingt durch den Erfolg der Fernsehserie „Babylon Berlin“, die auf dem ersten Gereon-Rath-Roman „Der nasse Fisch“ beruht, rückt diese Romanserie derzeit noch stärker in den medialen Mittelpunkt, obwohl die Bücher von Volker Kutscher schon vor der Fernsehadaption eine große Fangemeinde hatten, zu der auch ich mich zähle.

Wie kaum ein anderer deutscher Autor schafft er es, die damalige Zeit zum Leben zu erwecken und überaus authentisch und glaubhaft darzustellen. Verknüpft wird das mit einer spannenden und durchdachten Handlung. Egal ob es sich um den Reichsparteitag in Nürnberg, um polizeiliche Ermittlungsarbeit im Jahr 1935 handelt oder um eine Szene, in der Charly aus dem, von den Nationalsozialisten wegen „antideutscher Tendenzen“ verbotenem, Roman „Das kunstseidene Mädchen“ liest – Volker Kutscher fördert Details zu Tage, die er aus ganz unterschiedlichen Quellen wie Filmen, Zeitungen oder zeitgenössischen Romanen entnimmt. Das alles verknüpft er mit einer unwiderstehlich guten Handlung.

Ein elementarer Teil des Plots ist die Tatsache, dass Rath eine Verbindung zwischen dem Tod seines Schwiegervaters und des Mannes im Taxi findet. Hier greift Volker Kutscher auf Geschehnisse aus Charlotte Ritters (Charly) Vergangenheit zurück, die in der 2017 erschienenen illustrierten Kurzgeschichte „Moabit“ erzählt wurden. Man muss diese lesenswerte Geschichte nicht zwingend kennen, doch für das Gesamtverständnis und dem Lesespaß an diesem aktuellen Roman kann es nicht schaden, wenn man sich zuvor mit dieser Kurzgeschichte beschäftigt.

Doch nicht nur als pure Unterhaltung ist „Marlow“ bestens geeignet. In einer Zeit, in der Deutschland, oder Europa, immer weiter in eine Richtung rückt, die niemand wirklich haben will, sind die Romane von Volker Kutscher ein Spiegelbild dessen, wie ein System aussieht, in dem keine Rechtsstaatlichkeit mehr vorhanden ist. Und so vertrat der Autor jüngst in einem Interview die Meinung, dass wir uns für unsere Freiheit, die Demokratie, einsetzen müssen.

Kutschers Romanserie wird oft mit der Bernhard-Gunther-Reihe des Engländers Philipp Kerr verglichen, doch wo sich der verstorbene Brite historische Unzulänglichkeiten erlaubte und oft schablonenhaft agierende Nazis präsentierte, kann der deutsche Autor sehr präzise den Schrecken symbolisieren und einfangen, der Deutschland und die Welt zwölf Jahre im Klammergriff hielt und von dem man nur hoffen kann, dass er sich nicht wiederholt.

Mein Fazit zu dem neuen Gereon Rath-Roman:

Mit „Marlow“ ist Volker Kutscher vielleicht auf dem Höhepunkt seiner Serie angekommen. Ein wirklich packender und überaus lesenswerter Roman mit einer äußerst gelungenen Symbiose aus kriminalistischer Handlung und historischen Fakten. Da laut Aussage des geistigen Vaters von Gereon Rath noch weitere Romane folgen, können wir uns auf einige weitere unterhaltsame und spannende Lesestunden freuen.

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