„Fever“ ist ein Roman von dem südafrikanischen Autor Deon Meyer und erschien am 9. Oktober 2017. Meyer, der mit seinen Benny Griessel-Krimis bekannt wurde, hat mit dem hier vorliegenden Roman das Genre gewechselt und einen Endzeit-Thriller abgeliefert.

Als ich gefragt wurde, ob ich den Roman besprechen möchte, war ich erst ein bisschen skeptisch. Wieder ein Endzeit-Roman – der Plot liest sich wie der Anfang von Kings „The Stand“. Puh. Ich habe dann aber doch zugesagt. Zum Glück! Denn auch wenn ich die Geschichte anfangs gar nicht so spektakulär fand, war ich plötzlich voll in der Geschichte drin und habe den Roman, mit immerhin fast 700 Seiten, in nur 3 Tagen gelesen.

Um was geht es in „Fever“ von Deon Meyer?

Beinahe die gesamte Menschheit fiel einem Fieber zum Opfer: Nur fünf Prozent weltweit haben überlebt. In Südafrika suchen der 13 Jahre alte Nicolaas Storm und sein Vater Willem einen Platz zum Leben, aber vor allem müssen sie ihr Überleben sichern: Überall herrscht Chaos, marodierende Gangs breiten sich aus, wilde Tiere sind eine Gefahr. Dennoch finden Vater und Sohn schließlich eine geeignete verlassene Stadt, in der sie eine neue Gemeinschaft aufbauen wollen.  Einen Ort, an dem es sich zu leben lohnt – und zu kämpfen, denn die Bedrohungen enden nie. Nicos Vater Willem bezahlt ihre unermüdlichen Bemühungen um eine neue Zivilisation mit dem Leben, er wird ermordet.

Fever von Deon MeyerDas ist kein Spoiler, denn der erste Satz im Buch lautet: „Ich will euch vom Mord an meinem Vater erzählen.“ Wann, wie und warum ist der Kern dieses Romans.

„Fever“ erzählt die Geschichte aus Nicos Sicht, und zwar rückblickend: Als erwachsener Mann hat er, um seinen Vater zu ehren, seine Lebensgeschichte aufgeschrieben. Dass es sich hierbei nur um eine Fiktion handelt, könnte man angesichts der packenden Schreibweise durchaus vergessen. „Fever“ erzählt eine etwas andere Postapokalypse: Das Fieber hat niemanden in einen blutrünstigen Zombie verwandelt, es hat schlicht den Großteil der Menschheit ausgerottet. Der Fokus liegt darauf, ein vollkommen niedergestrecktes Land wieder aufzurichten, neue Orte für die verbliebenen Menschen zu schaffen, in denen sie sicher leben können.

Die Bedrohungen sind nicht irgendwelche Monster oder Mutanten, sondern stets nur die Menschen selbst. Wo nur noch Chaos und Anarchie herrschen, werden die Überlebenden zu Bestien, die Krieg führen um Nahrungsmittel, Treibstoff und Waffen. Die sich mit Gewalt nehmen, was sie wollen. Deon Meyer, einer der bekanntesten südafrikanischen Krimi-Autoren, hat mit „Fever“ einen Roman vorgelegt, der Genre-Grenzen sprengt. Es ist eine extreme, sehr intensive Geschichte, die Deon Meyer in hervorragenden Perspektivwechseln mal als Nico, mal aus den Aufzeichnungen anderer Protagonist erzählt.

Der Stoff mag insgesamt nicht neu sein, er macht dennoch nachdenklich. Dabei gleitet Deon Meyer nie ins Fantastische ab. Dank gründlicher Recherchen ist seine Endzeit-Welt glaubhaft und wirkt nahezu schmerzhaft realistisch. Das gilt für menschliche Konflikte wie für kleine und große Katastrophen innerhalb der neuen Gemeinschaft, auch die Rückeroberung einiger technologischer Errungenschaft wie Stromerzeugung durch Wasserkraft oder die Herstellung von Treibstoff wird nachvollziehbar geschildert.

„Fever“ ist vieles, reine Science Fiction ist es jedenfalls nicht. Das Buch erzählt eindrücklich und emotional von der Beziehung zwischen Vater und Sohn, schafft es aber auch, den Neuaufbau der Gesellschaft von vielen Seiten zu beleuchten. Deon Meyer hält die Fäden mit seiner bildhaften Sprache zusammen; es gelingt ihm, sowohl die wunderbare Landschaft Südafrikas lebendig werden zu lassen, als auch den harten und blutigen Überlebenskampf packend zu schildern.

Auch die vielschichtigen Charaktere überzeugen: Willem, der von einer friedlichen, demokratischen neuen Gemeinschaft träumt, und Nico, der sich zum Soldaten ausbilden lässt, um sie zu verteidigen. Aber auch die anderen Protagonisten sind durchweg interessant. Allein das Ende ist Deon Meyer nicht ganz so gut gelungen. Die in sich schlüssige Geschichte findet einen allzu hastigen Abschluss, der nicht völlig überzeugen kann.

Mein Fazit zu dem Roman „Fever“:

„Fever“ ist ein Abenteuerroman im Gewand eines Endzeit-Thrillers, eine Familiengeschichte vor dem Hintergrund einer postapokalyptischen Kulisse und mehr – kurz gesagt, ein Roman, der sich keinem festen Genre unterordnet. Gerade darum war „Fever“ für mich ein so interessantes Buch. Es lohnt sich auch für Leser, die bei einem Autor auch gerne über den Tellerrand schauen und es zu schätzen wissen, wenn dieser neue Wege geht.

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Produktinfos:

Verlag: Aufbau Verlag

Seiten: 692

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