Um was geht es in „Feindesland“ von C. J. Sansom?

Wir schreiben das Jahr 1952. Im Osten Europas zeigt der mittlerweile elf Jahre andauernde deutsche Krieg mit Russland keine Anzeichen für ein Ende. Auf einer Linie, die sich ungefähr vom Ladogasee bis zum Kaspischen Meer im Südosten erstreckt, ist der Kampf in einer Pattsituation. Vielmehr ist es ein Wettbewerb von Schlägen und Gegenschlägen, die nicht wirklich etwas regeln. Im Westen wird Großbritannien, das nach einem kurzen Krieg Frieden mit Deutschland geschlossen hat, von einem kryptofaschistischen Regime regiert. In Berlin nähert sich Hitler, der an einer zunehmenden Parkinson-Krankheit leidet, dem Ende. In dieser Situation will Churchill den Widerstand stärken. David Fitzgerald ist ein Beamter, der sein Jüdischsein versteckt und dabei versucht, seine Ehe zu bewahren, die unter dem Druck seines Lebens als Spion für den Widerstand zusammenbricht. Vor allem da Gunther Hoth, ein Mann der Gestapo, der nichts auslässt, um David zu jagen.

Kritik zu „Feindesland“ von C. J. Sansom:

Feindesland von C. J. SansomWas wäre, wenn Hitler und Nazi-Deutschland den Krieg gewonnen hätten. Mit dieser Überlegung haben sich schon zahlreiche Werke beschäftigt. Da ist in erster Linie „Vaterland“ von Robert Harris und da ist natürlich auch „The Man in The High Castle“, eine Serie, die auf einer Geschichte von Philipp K. Dick beruht. Jetzt widmet sich der britische Autor in seinem Roman „Feindesland“ genau dieser Frage. Bekannt geworden ist der C. J. Sansom durch seine Matthew-Shardlake-Romane, die in der Zeit Heinrichs VIII gespielt haben. Doch wie schlägt sich der Schriftsteller in diesem Bereich?

Der Roman beginnt mit einer historischen Szene im Kabinettsraum der Downing Street 10 am 9. Mai 1940. Premierminister Neville Chamberlain hat seine Absicht zum Rücktritt angekündigt, diskreditiert durch die katastrophale Kampagne Großbritanniens gegen die Deutschen in Norwegen. Die Anwärter sind Halifax und Churchill. Der Außenminister und bekannte Beschwerdeführer Halifax wird von Chamberlain, dem König und den meisten Mitgliedern der Tory-Partei bevorzugt. In der realen Geschichte lehnt er ab. In diesem Roman tut er das nicht. Nach der deutschen Invasion im Westen und der Katastrophe von Dünkirchen schließt Halifax Frieden und einen Freundschaftsvertrag mit dem ehemaligen Feind ab. Churchill zieht sich zurück, um schließlich eine Widerstandsbewegung gegen das neue Regime zu führen.

Bereits diese erste Szene in „Feindesland“ macht deutlich, dass C. J. Sansom ein akribischer Rechercheur ist, der es aber wirklich gut versteht, Fakten und Fiktion zu einer packenden Mixtur zu vereinen. Er bleibt stets ganz dicht an den Ereignissen und schafft es nebenbei, auch die Schilderung des Alltags dieser Zeit so interessant zu gestalten, dass dieses Buch stellenweise fast unerträglich spannend ist. Seine Charaktere sind wunderbar herausgearbeitet. Dabei kommen oft schmerzhafte Kindheiten ins Spiel, die den Figuren, allen voran David und Sarah Fitzgerald, aber auch Gunther Hoth menschliche Seiten gibt. In den Dialogen spiegelt sich dies wider, was die Handlung ebenfalls vorantreibt.

Wer Geschichten dieser Art mag, wird mit „Feindesland“ von C. J. Sansom bestens bedient. Ein packender, historischer Thriller, der sehr gekonnt mit einem Szenario spielt, dass wir alle Gott sein Dank nicht erleben mussten.

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Feindesland von C. J. SansomFeindesland

  • Autor: C. J. Sansom
  • Verlag: Heyne
  • 768 Seiten
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