Update: Am 1.Februar 2019 folgt Band 4 der Comic-Reihe

Der hier besprochene Band Kill or Be Killed 1 aus der Feder des bewährten Teams Ed Brubaker, Sean Phillips und Elizabeth Breitweiser erschien am 16. November 2017 im Splitter-Verlag und ist der Auftakt einer neuen Serie. Die Reihenfolge der einzelnen Bände sind unter der Rezension zu Band 1 aufgelistet.

Worum geht es in „Kill or Be Killed von Ed Brubaker“?

Dylan mordet, weil er es muss. Nach einem Selbstmordversuch ging er unfreiwillig einen teuflischen Pakt mit einem Dämon ein und ist fortan zu regelmäßigen Menschenopfern verpflichtet. Für jeden Monat, den er weiterleben will, muss Dylan jemanden töten. Immerhin: Wen er umbringt, darf er sich aussuchen. Dylan hat da so seine eigenen Kriterien. Sein erstes Opfer ist ein Mann, der einen seiner Freunde als Kind missbraucht hatte. Doch schon im zweiten Monat fällt es ihm schwerer, jemanden zu finden, der den Tod seiner Meinung nach verdient hat. Als er doch ein „geeignetes“ Opfer findet, führt eine grandiose Fehleinschätzung zu einem Desaster.

Graphic Novel Kill or Be Killed #1Der düstere Plot stammt aus der Feder des Autors Ed Brubaker, die stimmungsvollen Zeichnungen steuerten Sean Phillips und Elizabeth Breitweiser bei. Insgesamt funktioniert „Kill or Be Killed“ ausgesprochen gut: Eine Graphic Novel, die mit ihrer dunklen Grundstimmung und ihrem morbiden Thema einige moralische Fragen beim Leser aufwirft. Welche Folgen hat Selbstjustiz? Würde jeder von uns töten, um sich selbst zu retten – und macht es wirklich einen Unterschied, ob das Opfer gut oder böse war?

Ed Brubaker wählt den (nicht gerade neuen) Kunstgriff des Pakts mit einem Dämon, um seinen Protagonisten in ein moralisches Dilemma zu stürzen. Wirklich tiefgründig wird seine Story in Band 1 der neuen Comic-Reihe allerdings noch nicht, ich bin aber sehr zuversichtlich. Dennoch: Die satten, hervorragend komponierten Bilderstrecken von Sean Phillips als verantwortlichem Zeichner und Elizabeth Breitweiser als ausgezeichneter Coloristin machen viel Spaß. Insgesamt erinnert „Kill or Be Killed“ in seinem Stil an frühere Gemeinschaftsarbeiten von Brubaker und Phillips. Wer die Arbeiten kennt, wird also vielleicht wie einige Kritiker einen gewissen Fortschritt vermissen – wobei Breitweiser dem Stil mit ihrer Farbgebung durchaus einen eigenen Stempel aufdrückt. Man mag den Stil des Teams oder eben nicht, die Story wird daran nicht viel ändern.

Szene aus dem Comic Kill or Be Killed

Wer Graphic Novels insgesamt als Kunstform betrachtet, wird auch in „Kill or Be Killed“ Aspekte finden, die gefallen: Die detailreichen und sehr realistischen Zeichnungen fangen sowohl die Gesichter der Figuren als auch die Umgebung dynamisch und spannend ein. Die Story ist natürlich nicht neu, aber erfrischend und interessant erzählt. Die Kombination aus ziemlich lebensechten Grafiken und mystisch-unrealistischer Geschichte finde ich durchweg gelungen.

Protagonist Dylan ist ein zwiespältiger Typ. Seine Beweggründe für den Selbstmordversuch? Natürlich eine Frau. Dass es mit der später Probleme gibt, ist abzusehen und erzeugt im Leser ein „Geschieht dir ganz recht“-Gefühl. Dylan ist (noch) ein weicher, eigentlich feiger Charakter, ein im Comic nicht ganz gewöhnlicher Anti-Held, jenseits des bewährten Superhelden-Idealismus. Allerdings einer, den es doch schwerfällt zu mögen; immerhin wird er ausschließlich aus Eigennutz zum Killer.

Szene aus der Graphic Novel Kill or Be Killed

Mein Fazit zum Comic Kill or Be Killed #1:

Dass die Stimmung nicht kippt und seine Story trotz allem wirklich interessant ist, verdankt der erste Band dieser neuen Serie seinem Autor – und einem ganz gemeinen Cliffhanger. Das Ende von „Kill or Be Killed #1“ verlangt unbedingt nach Auflösung und macht große Lust auf die Fortsetzung. Es sei noch erwähnt, dass die Geschichte mit durchaus drastischen Zeichnungen der Gewaltakte „gewürzt“ ist und somit nichts für zu junge Leser ist. Aber eine klare Leseempfehlung für Fans von Graphic Novels mit ungewöhnlicher Story, die keine moralisch sauber justierte Identifikationsfigur als Hauptcharakter brauchen.

Cover und Abbildungen © Splitter-Verlag.

Kill or Be Killed in der richtigen Reihenfolge:

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