Um was geht es in „Wenn Engel brennen“ von Tawni O’Dell?

Ein Mädchen stirbt im Bergarbeiter-Ort Campbell’s Run in Pennsylvania. Sie ist verbrannt, wird in einer glühenden Erdspalte gefunden. Zusammen mit State Trooper Nolan ermittelt die Polizeichefin Dove Carnahan in dem Fall. Schnell wird klar, dass das junge Mädchen höhere Ambitionen hatte als ihre kriminelle Verwandtschaft, sie wollte etwas aus ihrem Leben machen, zur Uni gehen. Liegt hier das Motiv? Carnahan muss in ein Milieu eintauchen, dass schlimme Erinnerungen an ihr eigenes Aufwachsen in der Gegend weckt. Und dann taucht auch noch ein Mann auf, der einst für den Mord an ihrer eigenen Mutter unschuldig ins Gefängnis wanderte. Er beschuldigt die Polizeichefin und deren Schwester, ihn seinerzeit fälschlich beschuldigt zu haben und die Sache nun aufklären zu wollen …

Kritik zu dem Roman von Tawni O’Dell:

Wenn Engel brennen von Tawni O'DellZwei Morde beschäftigen die Protagonistin dieses Krimis von Tawni O’Dell. Was zunächst wie ein ziemlich klassischer Whodunnit erscheint, entpuppt sich im Laufe der Lektüre als komplexe und intelligente Krimihandlung, verwoben mit Familiengeschichten und einer ausgezeichneten Milieustudie. Vor allem aber überzeugt „Wenn Engel brennen“ mit spannenden Charakteren. Allen voran Buchanans Polizeichefin, die mit ihren Geschwistern seit vielen Jahren ein Geheimnis hütet. Die Protagonistin ist eine spannende Figur, eher selten im Genre zu finden: Sie ist mit 50 jahren etwas älter als die meisten anderen Ermittlerinnen in Krimis, kinderlos, sich ihrer Position als Frau in einem männerdominierten Beruf sehr bewusst und hat dennoch ihren Humor nicht verloren – einen im Übrigen guten, trockenen Humor, der so manche Szenen amüsant auflockert.

Neben dem eigentlichen Krimi zeichnet Tawni O’Dell in „Wenn Engel brennen“ die Sozialstudie einer armen Gesellschaft, in der sich Kriminalität beinahe zwangsläufig entwickelt. Selbst vor Mord schrecken viele hier in der Aussichtslosigkeit ihres Lebens nicht zurück. Und trotzdem bleibt der Fall, mit dem sich Protagonistin Dove Carnahan beschäftigen muss, fast über die komplette Länge des Buches spannend, glaubhaft und undurchsichtig.

Dass der Roman von mir nicht die Höchstpunktzahl erreicht, liegt an einigen wenigen Kleinigkeiten. State Trooper Nolan beispielsweise bleibt als Charakter ziemlich blass. Während die Geschichte selbst die meiste Zeit überzeugt, gibt es doch ein paar klischeehafte Passagen, z.B. wenn es um die „Rednecks“ geht. Insgesamt sind es kleine Schwachstellen, die nur erfahrene LeserInnen von Kriminalromanen stören dürften.

Die Autorin Tawni O’Dell stammt selbst aus einer Bergbauregion in Pennsylvania. In ihrer Familie war sie die erste, die zur Universität ging – vergleicht man ihre Herkunft mit der Geschichte ihres Romans, sind die Parallelen nicht schwer zu finden. Kein Wunder also, dass sich „Wenn Engel brennen“ an vielen Stellen so echt und lebensnah anfühlt. Es ist nicht ihr erster Roman, aber ihr erster Krimi – und der ist insgesamt wirklich gut gelungen.

Mein Fazit zu „Wenn Engel brennen“:

Ein gelungener Krimi, der spannend und unterhaltsam erzählt wird und sich dabei die meiste Zeit auf einem recht hohen Niveau bewegt. Es ist der erste Roman, der von Tawni O’Dell in deutscher Übersetzung erscheint, und macht Lust auf weitere Geschichten der Autorin. Angeblich soll die Autorin an einem weiteren Band arbeiten – eine Buchreihe mit Chief Carnahan wäre für mich durchaus wünschenswert.

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Wenn Engel brennen von Tawni O'DellWenn Engel brennen

  • Tawni O’Dell
  • Verlag: Argument Verlag mit Ariadne
  • 352 Seiten
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