„Amnesia – Ich muss mich erinnern“  ist ein Psychothriller aus der Feder von Jutta Maria Herrmann.

Inhaltsangabe von Jutta Maria Herrmanns von „Amnesia“:

Helen könnte töten. Für sie stellt das wirklich eine Option dar: Ihr Lungenkrebs ist unheilbar, sie hat vielleicht noch ein Jahr zu leben; ihr Freund konnte diese Aussichtslosigkeit nicht mehr ertragen und hat sie verlassen. Sie sucht Halt bei ihrer Familie, mit der es seit Jahren kaum Kontakt gab. Doch ihre Mutter ist wenig herzlich, eine Gelegenheit zur Aussprache ergibt sich nicht. Schlimmer noch: Ihr Schwager Leon, den Helen hasst, misshandelt ihre Schwester, die obendrein schwanger ist. Helen denkt nun tatsächlich an Mord. Was hätte sie schon zu verlieren?

Bald darauf wird Leon tot aufgefunden. Helen, die aufgrund Medikamentenmissbrauchs Blackouts hat, muss sich fragen, ob sie damit etwas zu tun hat. Gab sie ihren Mordgedanken nach? Sie kann sich nicht daran erinnern, was in jener Nacht geschehen ist …

Kritik zu „Amnesia“ von Jutta Maria Herrmann:

Amnesia von Jutta Maria HerrmannPsychothriller, die ohne brutale Gewaltschilderungen mit blutigen Szenen und ohne den x-ten irren Serienmörder auskommen, sind eine Seltenheit geworden auf dem Buchmarkt. Amnesia von Jutta Maria Herrmann ist darum ein Kleinod unter den Kriminalromanen der letzten Jahre für alle, denen eine tatsächlich auf die Psyche abzielende Story wichtiger ist als eine möglichst genaue Schilderung von perfiden Morden und zerstückelten Leichen.

Alles ist einen Hauch feiner und leiser in Amnesia. Fast wie in einem klassischen „Whodunnit“ legt Jutta Maria Herrmann Spuren aus. Helen muss die Dosis ihrer Medikamente erhöhen, es geht ihr schlecht, und so nimmt sie auch mehr, als sie sollte. Die Nebenwirkungen aber sind heftig – ist es möglich, dass sie Helen bis zu einem Mord treiben können? Zumindest sind die Mittel Schuld daran, dass sie nicht mehr weiß, was sie überhaupt getan hat, was Halluzination und somit Trugbild ist und was die Wahrheit. Das ist ein Rätsel, dass der Leser gemeinsam mit Helen lösen muss, denn die Geschichte wird aus ihrer Perspektive erzählt: Wir wissen nur, was Helen weiß und erfährt.

Das erzeugt einen Spannungsbogen, mit dem die Autorin Jutta Maria Herrmann wirklich zu fesseln vermag. Helen ist keine eindimensionale Protagonistin: Ihr Schicksal ist hart, aber Helen ist auch ein anstrengender Charakter. Man kann sie bemitleiden, aber nicht immer mitfühlen – diese Ambivalenz macht sie sehr realistisch und interessant. Hinzu kommen die Zweifel: Ist Helens Wahrnehmung richtig? Was ist wirklich real? Je weiter die Story voranschreitet, um so häufiger ist man versucht zurückzublättern und Dinge zu überprüfen, die Helen ein paar Kapitel zuvor sagte, dachte und tat – zu unwirklich sind die Ereignisse, zu wenig fassbar die Protagonistin.

Fazit zu dem Roman „Amnesia“:

Amnesia ist ein richtig tiefgehendes Buch, das ein Familiendrama mit einem Thriller verwebt – und das wahrhaftig gekonnt. Jutta Maria Herrmann schreibt, wie man solche Romane haben will: Packende Pageturner, die man nicht zur Seite legen kann, bis man endlich erfährt, ob alle Vermutungen richtig waren und alle falschen Fährten beseitigt sind.

Es ist ein intensiver Roman, dessen Schrecken in gänzlich anderen Dingen beruht als man es vielleicht von einem Psychothriller erwartet. So eindringlich schildert die Autorin das Seelenleben ihrer Hauptfigur, dass der Gedanke „Was wäre, würde das mir passieren“ dermaßen erschreckend ist, dass er zarte Gemüter wachhalten wird. Das ist eine Kunst, die wenige Autoren beherrschen – und eine, die zu lesen eine wahre Freude ist.

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Produktinfos:

Verlag: Knaur

Seiten: 304

Bei Amazon erhältlich als: Buch | eBook | Hörbuch