Um was geht es in „Das Herz der Amazonen“?

Das Herz der Amazonen" von Géraldine BindiSeit langer Zeit haben sich die Amazonen von der Herrschaft der Männer befreit. Sie leben als stolze Kriegerinnen in ihrer eigenen, matriarchalischen Gesellschaft – hier sind die Männer nur Sklaven, die niedere Arbeiten verrichten müssen. Einmal im Jahr, zum Blumenfest, jagen die Amazonen Männern nach und fangen sie, um mit ihnen Nachkommen zu zeugen. Ihre Königin Penthesilea hingegen kann auch in diesem Jahr wieder nicht mit ihnen reiten. Für sie darf es nur ein Partner aus einem Königsgeschlecht sein – die aber sind schwer zu bekommen. Doch dann erfahren die Amazonen, dass die Armee der Griechen Troja belagert. Ihr Anführer ist Achill: Ein mehr als würdiger Kandidat für Penthesilea …

Griechische Mythologien: Das ist ein eher seltenes, in der Regel auf männliche Helden fixiertes Sujet im Comic – als Beispiel sei „Odyxes“ von Christophe Arleston genannt. In „Das Herz der Amazonen“ wagt sich Géraldine Bindi an die Umsetzung eines klassischen Stoffs in moderner Interpretation. Es ist ihre zweite Graphic Novel-Veröffentlichung, hier gemeinsam mit dem Zeichner Christian Rossi. Letzterer ist erfahren in der grafischen Gestaltung von Historiencomics, und so sind es auch in erster Linie die Zeichnungen, die in dieser Graphic Novel beeindrucken und einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Der Band ist komplett in Sepia-Tönen umgesetzt, mit sehr detailreichen, tiefgehenden Illustrationen und einem hervorragenden Spiel von Licht und Schatten. Besonders auf Gesichter, auf das Minenspiel versteht sich Rossi – selbst Frisuren sind bis ins kleinste Haar fein skizziert, Gesichtsfalten perfekt zu erkennen. Im Gegensatz zu vielen anderen Comics sind hier offenbar auch ausgezeichnete Anatomie-Kenntnisse eingeflossen, denn Muskeln, Bewegungen, Verletzungen wirken akkurat und authentisch. Er nutzt häufig große Panels, in denen es dann viel zu entdecken gibt.

Das bedeutet nicht, dass die Geschichte von Géraldine Bindi etwa nicht auch lobenswert wäre. Tatsächlich ist sie sehr dynamisch und komplex, sodass es besonders am Anfang nicht leicht fällt, allen Handlungssträngen zu folgen. Dafür belohnt sie die Leser mit einer hohen Vielschichtigkeit. Interessant ist beispielsweise die Dramatik, die sich zunächst aus der Unfähigkeit Penthesileas entwickelt, einen passenden Partner zu finden, und sich steigert, als dies geschehen ist und sie ein Kind gebärt. Denn es ist Gesetz bei den Amazonen, dass nur die weiblichen Babys überleben dürfen – doch die Königin hat einen Jungen geboren, den sie behalten will. Vordergründig sollen die althergebrachten Gesetze und Moralvorstellungen der Amazonen sich ändern, doch für die anderen Frauen sieht es so aus, als ob sich Penthesilea über ihre eigenen Verluste hinwegsetzt. Das ist nur eine der Teilgeschichten in „Das Herz der Amazonen“ und wie alle übrigen Handlungen schön gezeichnet und spannend erzählt.

Mein Fazit zu „Das Herz der Amazonen“ von Géraldine Bindi:

Ein Problem mit nackter Haut oder sexuellen Handlungen sollte man allerdings nicht haben, denn die Graphic Novel geizt nicht mit diesen Themen, setzt sie zwar stilvoll aber auch reichlich ein. Dankenswerterweise haben die Amazonen hier beide Brüste (in der Mythologie wurde den Amazonen schon im Kindesalter die rechte Brust verstümmelt, damit sie Pfeil und Bogen besser handhaben können), auch Schlachtenszenen sind mit genug Würde dargestellt. Überhaupt sind die fabelhaften Zeichnungen in teils großen, ausführlich illustrierten Panels ganz großes Kino. „Das Herz der Amazonen“ erzählt vom Glauben an alte Götter, von großen Schlachten, von der Liebe und ihren Verlusten und davon, dass man sich entwickeln muss, um eine Zukunft zu haben. Dabei setzt die Graphic Novel auf herausragendes Artwork und vielschichtige, komplexe Handlungsbögen – und schafft damit einen hochwertigen, lesenswerten Comic.

Cover und Abbildungen © Splitter-Verlag.

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Produktinfos:

  • Verlag: Splitter
  • Format: ca. 32,2 cm x 23,2 cm
  • Seiten: 160
  • Bei Amazon erhältlich als: Buch

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