Iny Lorentz: Die Wanderhure

Die junge Marie muss am Vorabend ihrer Vermählung feststellen, dass ihr Leben plötzlich komplett aus den Fugen gerät. Ihr zukünftiger Gatte bezichtigt sie der Unzucht und weiß mehrere Zeugen aufzubieten, die dies bestätigen. Ihr Vater ist – trotz seines Reichtums – nicht in der Lage sie vor der Haft und den Misshandlungen in dieser wie auch der nachfolgenden Verurteilung und Verbannung zu bewahren. Bei dem Versuch ihr nachzureisen um ihr wenigstens in der Verbannung zur Seite zu stehen und einen Neuanfang zu ermöglichen, verschwindet er spurlos und sein ehemals zukünftiger Schwiegersohn ist plötzlich Besitzer seines Hab und Gutes.

Marie aber wird – nach einigen schlimmen Tagen auf der Straße – von einer Wanderhure gerettet und bei sich aufgenommen. Obwohl sie sich zu Anfang dagegen wehrt, ist ihr Schicksal unausweichlich und auch sie kleidet sich fortan mit gelben Bändern – dem Zeichen der Huren. So durchzieht sie mit ihrer Retterin Süddeutschland und geht ihrem Gewerbe nach, ohne dabei jedoch den Gedanken an Rache jemals aufzugeben.

Mit ihrem Buch „Die Wanderhure“ hat Iny Lorentz ein inhaltlich sehr ansprechendes und bildliches Werk der frühen Neuzeit in Süddeutschland geschaffen, welches nach dem ersten – etwas zäh wirkenden Kapitel – großen Spaß beim Lesen bereitet. Ihr Schreibstil ist im gesamten Verlauf des Buches angenehm zu lesen und sie weiß den Leser mit diesem Stil, wie auch dem Inhalt zu fesseln. Das erste Kapitel wirkt zu Beginn jedoch noch recht zäh und scheint tatsächlich erst mit dem Verfahren gegen Marie langsam richtig in Schwung zu kommen. Die Beschreibungen der Umgebung und der Charaktere gelingen ihr recht gut, auch wenn sie sich manchmal in Details ergeht, die an anderer Stelle vermisst werden.

Dennoch bringt sie damit die Lebensumstände und die Umgebung dem Leser recht nahe und man hat keine Mühe sich in eben jene hinein zu finden. Der Charakter der Marie ist dabei mit ihren guten und schlechten Seiten hervorragend ausgeprägt und die Autorin beweist mit ihr, dass man ein guter und ein weniger guter Mensch zugleich sein kann. Auch die Willkür der Obrigkeit wird in diesem Werk sehr plastisch wiedergegeben, wodurch die Identifikation mit den Protagonisten und ihren Problemen – aber auch den eher wenigen guten Momenten – mit diesen kein Problem darstellt. Alles in Allem ein lesenswerter historischer Roman, welcher nach anfänglichen Schwächen zu seiner Höchstform aufläuft und Lust auf mehr macht. – Rezensentin Micky für Bücherserien.de

Die Wanderhure » Bei Amazon.de bestellen

Zur Serie von Iny Lorentz

Hier kannst du mit deinem Kommentar zum Buch oder der Serie anderen Lesern bei der Kaufentscheidung helfen. Aber bitte nicht die Spannung nehmen und zu viel von dem Inhalt verraten. Nach einer kurzen Prüfung werden Kommentare in der Regel innerhalb 24 Stunden frei geschaltet!


    Weitere empfehlenswerte Büchserserien:

    Die Wanderhure von Iny Lorentz
    Abenteuerromane » Eine Frau kämpft in der grausamen Welt des Mittelalters um ihr Glück. Konstanz im Jahre 1410: Als Graf Ruppert um die Hand der schönen Bürgerstochter [...]

    Die Goldhändlerin von Iny Lorentz
    Buchbesprechungen » Im Jahr 1485 reist die jüdische Familie Goldstaub in die nahe Nachbarstadt um die Bar Mizwa des jüngsten Sohnes zu feiern. Sie geraten in ein Progrom, [...]

    Allwissend mit Kathryn Dance von Jeffery Deaver
    Buchbesprechungen » Inhalt: Ein Kreuz mit roten Rosen davor taucht am Straßenrand in Kalifornien auf. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, handelt es sich doch scheinbar um [...]

    Der Todeskünstler von Cody McFadyen
    Buchbesprechungen » Nachdem ich ja nun bereits den ersten Band von Cody McFadyen gelesen hatte, war es für mich natürlich ein Muss auch den zweiten Band zu lesen. Sein er [...]

    Die Henkerstochter von Oliver Pötzsch
    Buchbesprechungen » Wir schreiben wenige Jahre nach dem 30-jährigen Krieg, Deutschland leidet noch immer an seinen Nachwirkungen und beginnt nur langsam wieder zu mehr Wo [...]

line
footer
Bücherserien.de » Buchbesprechungen » Iny Lorentz: Die Wanderhure