Die Henkerstochter von Oliver Pötzsch

Die Henkerstochter von Oliver PötzschWir schreiben wenige Jahre nach dem 30-jährigen Krieg, Deutschland leidet noch immer an seinen Nachwirkungen und beginnt nur langsam wieder zu mehr Wohlstand und Frieden zu gelangen. Ein brutaler Mord an einem 12 jährigen Jungen geschieht in Schongau und als wäre das nicht schon genug, entdeckt man auf seinem Rücken das Venusmahl, welches den Hexen zugeschrieben wird. Schnell ist eine vermeintlich schuldige Person in Form der ortsansässigen Hebamme gefunden und wenn es nach dem Mob ginge, würde man sie am Liebsten sofort töten. Doch ist sie wirklich die Mörderin? Viele glauben es nicht, aber zum Wohle und dem Frieden der Stadt soll sie dennoch gestehen. Der Henker Jakob Kuisl ist jedoch nicht bereit die Frau zu opfern und sucht – zusammen mit dem Sohn des ansässigen Medicus und seiner eigenen Tochter Magdalena – nach dem wahren Täter und den Beweggründen zu der Tat. Denn letztlich steckt da noch ein ganz Anderes, größeres Verbrechen hinter diesem und nachfolgenden Morden.

Die Hexenverfolgung ist ein dunkles Kapitel in der Vergangenheit der Menschheit und wird in dem Buch „Die Henkerstochter“ von Oliver Pötzsch – welches im Übrigen sein Debüt als Autor war – eindrücklich und überzeugend wieder aufgerollt. Obwohl die Hochzeit der schlimmsten Verfolgungen schon länger vorbei war, erlebten der Wahn und die Hysterie in Deutschland bis zum Ende des 18. Jahrhundert immer wieder neue Kapitel. Pötzsch gelingt es in seinem historisch weitestgehend korrekt dargestellten Roman Klischee und Realität dem Leser hervorragend wieder zu geben und ihn in eine abergläubische und zugleich zutiefst berechnende Welt mitzunehmen. Neben dem Historischen ist das Buch aber in erster Linie ein Krimi, welcher bereits früh den Leser zu fesseln weiß und ihn in den Wust des Verbrechens und seine Hinterlist mit einzubeziehen hervorragend in der Lage ist.

Die historische Informationsdichte – vor Allem auch über die Stellung einzelner Berufe in der damaligen Gesellschaft und deren Lebensumstände, wie man es beim Henker und seiner Familie sehr detailliert nachlesen kann – ist trotz ihrer Höhe nicht erschlagend, im Gegenteil, sie ermöglicht es erst die richtige Stimmung in den Roman zu übertragen. Bereits der Prolog stellt dabei einen guten Einblick in die damaligen Umstände dar. Dennoch muss als Kritikpunkt festgehalten werden, dass es dem Autor in seinem Erstlingswerk noch nicht gelingt seine Hauptcharaktere – wie auch die wichtigsten Nebencharaktere – ordentlich zu vertiefen, aber darauf kann man in dem Nachfolgeband hoffen und sollte es auch erwarten. – Rezensentin Micky für Bücherserien.de

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