Germania“ ist der 2013 erschienene Debütroman von Harald Gilbers und der erste Teil einer Serie von Kriminalromanen rund um den jüdischen Ermittler Richard Oppenheimer im Berlin der 40er Jahre.

Inhalt von Germania:

Berlin, 1944. Die Stadt liegt in Trümmern, und es steht allgemein nicht gut um das Deutsche Reich, doch die Tötungsmaschinerie läuft unverdrossen weiter. Für den Juden Richard Oppenheimer, einst ein extrem erfolgreicher Ermittler bei der Berliner Mordkommission, geht es ums pure Überleben. Als ein Serienmörder eine unheimliche Mordserie startet, zwingt die Not – die meisten Kommissare sind an der Front – den SS-Hauptsturmführer Vogler dazu, Oppenheimer zur Unterstützung zu holen.

Richard Oppenheimer sieht hierin eine Chance: Bewährt er sich, kann er mit Voglers Fürsprache möglicherweise der allgegenwärtigen Gefahr der Deportation entgehen. Andererseits könnte der Hauptsturmführer auch beschließen, ihn noch schneller zu beseitigen. Denn Oppenheimers Ermittlungen führen ihn tief in eine nationalsozialistische Welt, die weiß, dass ihre Tage gezählt sind, und zu Menschen, die ihre bis dahin erworbenen Privilegien sichern und ihre Pfründe verteidigen wollen.

Kritik zu Germania von Harald Gilbers:

Germania von Harald GilbersEs ist ein faszinierendes Sujet, dass sich Harald Gilbers für sein Erstlingswerk vorgenommen hat, und er hat dafür einen sehr interessanten Protagonisten erdacht. Richard Oppenheimer hat nichts zu verlieren, er lebt in der ständigen Furcht davor, abgeholt und in den sicheren Tod geführt zu werden. Nur, weil seine Frau Arierin ist, ist das bisher noch nicht geschehen. Doch das Heuchlerische im Tun des Regimes und seiner ausführenden Behörden zeigt sich auch darin, dass Kommissar Oppenheimer für den Zeitraum seiner Ermittlungen als Nichtjude gelten darf – solche Fälle gab es, selbst an den höchsten Stellen der Macht, wenn es den Verantwortlichen passte.

Harald Gilbers, der lange Jahre als Theaterregisseur tätig war, erweist sich in seinem ersten Roman als erstklassiger Erzähler. In „Germania“ steht Oppenheimer als Kommissar vor ganz anderen Herausforderungen als die Protagonisten anderer Krimis, er muss in einem Umfeld agieren, dass nicht nur nahezu vollkommen zerstört ist, sondern auch ihn selbst am liebsten zerstören will.

Dass der Ermittler inmitten der permanenten Gefahr, die ihm von den Nazis droht, gleichzeitig mit dem Hauptsturmführer Vogler zusammenarbeiten muss, verstärkt die beklemmende Situation, in der sich Oppenheimer befindet. Einfühlsam beschreibt Harald Gilbers die inneren und äußeren Konflikte seines Protagonisten – der es zwar einerseits genießt, wieder die geliebte Polizeiarbeit verrichten zu dürfen, andererseits jedoch seine ungewisse Zukunft fürchten muss.

Mein Fazit zu dem Roman von Harald Gilbers:

Harald Gilbers erfüllt mit „Germania“ einen hohen historischen Anspruch, und obgleich dabei die Gefahr besteht, dass die kriminalistische Haupthandlung etwas in den Hintergrund gerät, ist ihm ein spannendes Werk gelungen. Das besticht einerseits durch den Täter selbst, denn Serienmörder sind – wenn sie so gut wie hier beschrieben werden – natürlich immer ein interessanter Stoff.

Andererseits ist es aber gerade die geschichtliche Kulisse, die den großen Reiz von „Germania“ ausmacht, kombiniert mit dem packenden Schicksal des sympathischen Kommissars. Mit einer feinen, aber nie belehrenden Sprache führt der Autor durch eine intelligente Geschichte, für die er lange und aufwändig recherchiert hat. Diese Detailtreue hat sich ausgezahlt: Nicht nur nahm die Kritik „Germania“ ausgesprochen lobend zur Kenntnis, der Roman erhielt zudem 2014 den Friedrich-Glauser-Preis für das beste Krimi-Debüt des Jahres.

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Produktinfos:

Verlag: Knaur

Seiten: 537

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